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Mein Polizei-Kontrollen-Maerchen

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, diesen Blog-Eintrag "Eine Polizeikontrolle, wie aus dem Bilderbuch" zu nennen, doch dann geschah noch etwas...

Also, ich fange mal an: in Kenia herrscht sehr viel Korruption - so verdienen sich Polizisten gerne mal was dazu, indem sie bei Verkehrskontrollen den Angehaltenen willkuerlich irgendwelche Vergehen vorwerfen (z.B. ueberhoehte Geschwindigkeit oder zu wenig Reifenprofil), nur um die Fahrer/-in unter Androhung einer kurzfristigen Verhaftung dazu zu verleiten, sich freizukaufen, also die Polizisten zu schmieren - das alles geht nur, weil es in Kenia kaum einzuhaltende Gesetze gibt - die Polizisten haben freie Hand. So ist der Vorwurf der ueberhoehten Geschwindigkeit z.B. auch totaler Quatsch, weil es ueberhaupt gar keine Begrenzungen gibt - und die Polizisten sind aufgrund ihres niedrigen Lohnes quasi auf das Schmiergeld angewiesen... und bevor man einfach so eine Nacht im Knast verbringt, bezahlt man halt die 1000, 2000 Schillinge (knapp 10-20 Euro)...

Im April mietete sich Luisa mit anderen Freiwilligen aus Nairobi und Johnsons Bruder Collins ein Auto, um zwei Wochen Kenias Ostkueste zu bereisen - um mich kurz zu fassen: sie wurden, ihren Berichten zufolge, vier Mal angehalten, mussten drei Mal Schmiergeld zahlen - einmal sogar umgerechnet knapp 50 Euro...

Ich hab' mir ja seit Mittwoch ein Motorrad gemietet, wollte die Gegend noerdlich von Kisumu bereisen - und nach Luisas Erzaehlungen stellte ich mich schon mal darauf ein, das eine oder andere Mal angehalten zu werden und auch mal ein bisschen Schmiergeld zahlen zu muessen, um weiterfahren zu duerfen. Ich hab mir auch meine Unterlagen ordentlich eingepackt - internationaler Fuehrerschein, Reisepass sowie den Mietvertrag, damit die Sache des Motorrad schnell erklaert werden kann.

Also, gestern ging die Tour richtig los, heute Mittag bin ich Kitale angekommen - Kitale: ca. 45.000 Einwohner, ca. 100km noerdlich von Kisumu. Ich nahm mir ein Hotelzimmer, legte meinen grossen, schweren Rucksack, in dem sich auch mein Reisepass, Fuehrerschein und Mietvertrag befanden, ab. Ich wollte Richtung Mt. Elgon fahren, Kenias zweithoechster Berg, fast 5000m, ca. 20km von Kitale entfernt - ich wollte mal schauen, wie hoch und weit ich mit dem Motorrad so komme. Ich liess also den Rucksack im Zimmer und machte mich auf den Weg.

Seit gestern sind mir bereits einige Polizeikontrollen begegnet - doh ich wurde immer durchgewunken - anscheinend interessierten die sich nicht fuer kleien Motorraeder, dachte ich.

Auf dem Weg zum Mt. Elgon, der sich bereits maechtig am Horizont zeigte, stand ploetzlich mitten auf der Strasse ein kleines Schild: "STOP - police control" - 100m weiter lagen auf beiden Strassenseiten Reifenkrallen, am Strassenrand standen 3 Polizisten, alle schwer bewaffnet mit Maschinengewehr.

Ich erwartete, wie bisher immer durchgewunken zu werden - doch einer der Polizisten liess ein Auto durch und winkte mich stattdessen zu sich. Ich war ueberrascht - aber irgendwie schon auf Verhandlungen, wie hoch das Schmiergeld ausfallen wuerde, eingestellt...

Der Polizist begruesste mich nett, wo ich denn hinwolle, wo ich herkaeme, ob Schweiz oder USA - ich sagte, ich sei ein Freiwilliger aus Kisumu, kaeme aus Deutschland - und er fing an, Deutsch zu sprechen: "Ich bin Amos, wie geht's?  Was bist du von Beruf?" - das alles war sogar recht gut verstaendlich, er sagte, er haette eine deutsche Bekannte... ich antwortete lieb und nett, hoffte auf eine gewisse Milde von seiner Seite - er erklaerte mir den Weg zum Eingang des Mt.-Elgon-Nationalparks, fragte, ob ich hier gleich noch mal vorbeikommen wuerde - "ja, so in 1, 2 Stunden" - ich sollte dann doch noch mal anhalten. "Gute Fahrt, bis gleich".

Voellig erleichtert fuhr ich weiter - "wow, der war ja total nett, wollte noch nicht mal meinen Fuehrerschein - FUEHRERSCHEIN??" mir fiel ein, dass ich die ganze Zeit ohne Fuehrerschein, Reisepass und Mietvertrag unterwegs war - ich hatte nur mein Portemonee mit Perso, Bankkarten und Bargeld... "booah, was ein Glueck, Polizeikontrolle, ich ohne Fuehrerschein - und dann erwische ich so einen lockeren, ja fast schon nachlaessigen Polizisten... boah!".

Doch dann fiel mir ein, dass der Polizist mich ja fuer den Rueckweg nochmal zu sich bestellt hatte - "vielleicht hat er sich seine 'Kuer', sein finanzielles Finale, ja einfach nur fuer spaeter aufbehalten..." - und da waren die Zweifel und Sorgen wieder...

Ich fuhr einige Kilometer Richtung "Huegel" auf total schlechtem, unglaublich steinigem Sandweg - ich glaube, in der Stunde lernte ich mehr ueber's Motorradfahren und -handling als in den letzten 4 Jahren, einmal rutschte mir mein Motorrad sogar weg, Gott sei Dank nur in den Sand - nix passiert! Nach ca. 6 Kilometern auf der schlechten "Strasse" drehte ich dann um - bis zum Parkeingang war es zwar noch recht weit, aber ich hatte einige gute Aufnahmen des Berges und auch die Nase voll von der Strassenbeschaffenheit.

Auf dem Rueckweg kam mir dann eine Idee auf:  ich hatte recht viel Geld dabei (2500 Schillinge = ca. 25 Euro plus einen 10 Dollar-Schein) - ich wuerde einfach alles bis auf ein paar Hundert Schillinge verstecken - "Wohin - in die Unterhose? Nee, kann rausfallen - aah, in die Schuhe!!" Ca. 1 Kilometer vor der Strassensperre setzte ich meinen Plan um - 300 Schillinge liess ich im Portemonee, sogar die beiden Bankkarten steckte ich einen Schuh; fuer denn Fall, dass der Polizist mich zum naechsten Bankautomaten schicken wuerde...

Ich machte mich auf in Richtung "Amos", wurde von ihm schon freudig erwartet. Ich erzaehlte kurz, dass ich aufgrund der steinigen, sandigen Strasse nicht ganz so weit gefahren war... er hoerte lieb zu, nannte mich "my friend", und fragte mich schliesslich, ob das Motorrad gemietet sei - "jetzt geht's los", dachte ich - ich bejahte, Amos ging zu seinen Kollegen, holte irgendwelche Zettel und Unterlagen - "Strafzettel?" - er kam wieder mit zwei kleinen Zetteln und einem Bleistift: "I'm going to write down my number and my e-mail-address - so that you can call me, my friend yes, it's a mobile phone number, you write a text message" - "here, please write down your number and e-mail-address - so that I can send photos to you"... wow, okay, ich war fasziniert... da stand der Polizist in Uniform und mit Maschinengewehr neben mir Weissem, nebenan Strassenkrallen auf der Strasse... und wir tauschten Handynummern aus!

Er wuenschte mir einen guten Aufenthalt in Kitale... er wuerde mir bald mailen!

Ich fuhr weiter... wow... das war was... auf dem Weg zurueck in die Stadt und zum Hotel malte ich mir aus, wie ich den Blog-Eintrag schreiben und mit "Eine Polizeikontrolle, wie aus dem Bilderbuch" betiteln wollte... ich lachte vor mich hin, auch weil ich an einer komischen Ziege vorbeifuhr, die ihren Kopf, mit halb Augen-verdeckender Langhaar-Frisur, auf eine andere Ziege lehnte und dabei verrueckte Geraeushe machte - das fand ich sehr witzig.

Ich hatte gerade ausgelacht, da sah ich eine erneute Polizeikontrolle vor mir - "oh nein, hoffentlich lassen die mich wenigstens durch" - tja, vergeblich gehofft, ich wurde rangewunken. 

Ich merkte gleich: das war ein Polizist aus anderem Holz - ohne Maschinengewehr, dafuer mit Schlagstock - und auch ohne nettem Laecheln. Die erste Frage nach der Begruessung: "your driving license, please" - "die hab' ich im Hotel" - "was?" - "iiich hab die im Hotel - (ich versuchte, breit und lang zu erklaeren, um mich irgendwie aus der Situation rausreden zu koennen) - ich bin ein Freiwilliger aus Kisumu, ich komme gerade vom Mt. Elgon zurueck, fahre zurueck in's Hotel in Kitale, vielleicht kann ich ja eben.." - er nur trocken: "I have to arrest you", und holte Handschellen hinter  seinem Ruecken hervor - da huschte ein Laecheln ueber sein Gesicht... das mit den Handschellen war wohl nur ein Scherz. Puuuuh...."so, where are you working?" - "in a nursery school and an orphanage" - "how long are you staying in Kitale?" - "just one night, I'm going back to Kisumu tomorrow"... Und ich durfte fahren!!!

Wow, hab ich ein Glueck, oder? Riesiges Glueck - zwei Polizeikontrollen in einem sehr korrupten Land, ich beide Male ohne Fuehreschein - KEINE Konsequenzen... 

Das ist kein Bilderbuch, in dem ich rumgeirrt war, das ist ein Maerchen...

Am Hotel angekommen, war ich erstmal muede und fertig, und auch total erheitert... dann gab's noch ein unglaubliches Hin-und-Her, wo ich denn mein Motorrad am sichersten abstellen wuerde... aber das ist eine andere Geschichte.

Gruesse

Tobias

 

12.6.09 17:25
 


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