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Ugali, Ziege, Ugali

Gestern Abend, kurze Zeit nachdem ich den vorherigen Blog-Eintrag vollendet hatte, gab's wieder Abendessen.

Und zwar, ooh, welch' Gaumenfreude, Ugali mit Sukuma Wiki. Nach meiner gestrigen Pause hab' ich mich gestern wieder rangewagt, es war ganz ok.

Heute morgen gab's dann Ziege. Nein, nicht zum Fruehstueck - als ich morgens Johnsons Schwester Hellen, die auch in der nursery school unterrichtet, abholen wollte, war bei denen - eine Art Bauernhof mit vielen Ziegen und Huehnern - grosser Trubel... eine Ziegenbaby wurde erwartet... und ich hatte grosses Glueck und wurde spontan und unerwartet Zeuge einer Ziegenbaby-Geburt... ein Foto vom Nachwuchs, seltenerweise ein Einzelkind, gibt's unter http://www.flickr.com/photos/8517666@N06/?saved=1

Heute Mittag gab's dann wieder, wer haette es gedacht, Ugali mit Sukuma Wiki zu Essen... ich nahm nur eine kleine Portion Ugali, streute Zucker drauf - fast wie Griessbrei! Heute Nachmittag kaufte ich mir Honig... fuer's Ugali!

Eben war ich im Waisenhaus... war ganz nett, so nebenbei.

Gruesse

Tobi

 

5.6.09 17:22


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Toast zum Abendessen

Gestern Abend war's dann soweit: Ich hab mich, was das Abendessen betrifft, das erste Mal dem "Mainstream" entgegen gestellt....

vorgestern Mittag gab's Ugali mit Sukuma Wiki... zur Erinnerung: Ugali ist Maismehl in heissem Wasser eingeruehrt, schmeckt fast neutral, soll halt nur gut satt machen - der Fetzen Geschmack, der da ist, ist nicht besonders toll - Sukuma Wiki ist das Spinat-artige, bittere Gemuese - also eher "ih"...

Vorgestern Abend gab's dann, wer haette es gedacht, Ugali mit Sukuma Wiki.

Gestern Mittag gab's nix.

Und gestern Abend gab's dann zur Abwechslung mal Ugali mit Sukuma Wiki.

Ne, da hatte ich keinen Bock drauf - nicht schon wieder... ich schmierte mir ein paar Toastscheiben - Margarine war gerade aufgebraucht, daher einfach stumpf Marmelade druff, zwei Stullen zusammen klappen und ab in die Luke... 

 BESSER ALS UGALI!

Samstag hat uebrigens Johnsons Neffe Barri Geburtstag - er wird 17, sieht aber aus, als waere er schon mind. 19, 20, 21... er feiert auch so ein bisschen, ich bin gespannt, wie ein kenianischer Geburtstag so ist... 

ich hab' gehoert, zur Feier des Tages solle eine Ziege geschlachtet werden...

bis spaeter, ich werde berichten!

Tobias

4.6.09 16:35


Ein erlebnisreiches Wochenende...

Dieses Wochenende hatte ich Besuch aus Nairobi - Janine, die einen Tag vor mir angekommen war und in deren Gastfamilie ich waehrend der Einfuehrungswoche in Nairobi untergebracht war, besuchte mich und brachte gleich noch zwei Schweizerinnen und eine Daenin mit, sie alle sind Freiwillige in Nairobi und wollten sich Kisumu als drittgroesste Stadt Kenias und Kisumu anschauen.

Sie kamen Freitag Nachmittag an, worauf wir erstmal in einem fuer kenianische Verhaeltnisse ziemlich teuren Restaurant essen gingen - wir genossen das ueppige Mahl sehr, ansonsten gibt's hier ja eher selten kulinarische Feinheiten..

Waehrend des Essens wurden wir von einem "Tour Guide" angequatscht, der uns eine Bootsfahrt auf dem Lake Victoria anbot, wobei wir auch "Hippos", also Nilpferde, sehen koennten... wir willigten ein, Samstag Morgen ging's dann los... zu acht - wir fuenf, der Fuehrer, ein Steuermann und einer, der hinten im Boot sass und staendig Wasser aus dem offensichtlich undichten Boot rauskippte - ging's ueber den drittgroessten Binnen- und der zweitgroesste Suesswassersee der Welt... das Spannendste an der 1,5-stuendigen Fahrt waren die Nilpferde, die wir tatsaechlich aus ca. 15m Entfernung beobachteten, wie sich im Wasser sonnten - nur ihre Ohren, Maeuler und Ruecken waren zu sehen - riesen Dinger, sehr imposante Tiere!!

Nach der Bootsfahrt schauten wir uns auf den Maerkten Kisumus um, die Maedels kauften Stoff, Schuhe usw. - ich begnuegte mit Leckereien wie frischer Ananas, Mango und Zuckerrohr-Bonbons - seeehr suess!!

Gegen 19 Uhr verabredeten wir uns wieder mit unserem Guide, der waehrend der Bootafahrt einen guten und kompetenten Eindruck gemacht hatte, er wollte uns eine typische Luo-Bar (ca. 80 % der Menschen in und um Kisumu gehoeren diesem drittgroessten Stamm Kenias an) mit Luo-Live-Musik zeigen. Unter freiem Himmel genossen wir die rhythmische, Trommel-bestimmte Musik und tanzten auch ein wenig (afrikanisch, der Guide zeigte uns ein paar Schritte)... so ganz austoben konnten wir jedoch nicht, da uns staendig Leute auf der Tanzflaeche sehr nah kamen, die wohl nur an unsere Handys und Portmonees wollten... 

Gegen halb 10 wollten wir zurueck - um die Zeit kann es fuer Weisse schon ziemlich gefaehrlich draussen sein - unser Guide organisierte uns ein Taxi, wir quetschten uns zu siebt (inklusive Fahrer - nachmittags waren wir bereits zu siebt in einem TukTuk, was eigentlich so gerade 4 Leuten Platz bietet, gefahren) rein und wollten losfahren... draussen ging's ziemlich ab, viele Leute standen im Weg, mussten "weggehupt" werden, viele klopften auf das Auto und ein komischer Typ schien es besonders auf uns abgesehen zu haben... er machte den Kofferraum auf, stellte sich rein und wollte so anscheinend mitfahren - wir hielten an, riefen ihm zu, er solle verschwinden, er kam nach vorne und wollte einsteigen, obowhl wir uns bereits zu dritt vorne und viert hinten in den kleinen Wagen gequetscht hatten - er wollte unbedingt mit - wir verneinten, wollten weiter fahren - schon wieder machte er den Kofferraum auf und stellte sich rein... schliesslich wurde es uns zu bunt, wir stiegen aus und nahmen uns ein TukTuk... mal  wieder zu siebt in dem "Dreirad mit Moped-Motor"... wir erfuhren, dass der Quaelgeist aus dem Kofferraum ein Partner des Taxifahrers war - hier fuehren wohl immer 2 Leute zusammen ein Taxi, und der nette Herr wollte seinen Partner unter keinen Umstaenden alleine fahren lassen und selber zurueckgelassen werden... naja, mit dem TukTuk ging's dann einigermassen bequem und schnell nach Hause...

Am naechsten Morgen ging's nach Kakamega, um das "Kakamega  Forest Reserve", einen mittlerweile kleinen, frueher sehr grossflaechigen Regenwald ca. 50km noerdlich von Kisumu, zu durchwandern... mit Matatu, ca. 18 Leuten in einem 15-sitzigen Bulli, erreichten wir Kakamega in einer Stunde. Von dort mussten wir noch die ca. 15km mit Taxi zum Regenwald fahren. Dazu muss gesagt werden, dass es einen noerdlichen und einen suedlichen Teil des Regenwaldes gibt, wir hatten uns fuer den suedlichen entschieden, da dort die Eintrittspreise deutlich niedriger waren und wir uns dort schon eine Unterkunft ausgeguckt hatten - wir konnten vorher nicht nach freien Kapazitaeten fragen, sondern hofften einfach auf unser Glueck... wir nahmen ein Taxi, sagten, wir wollten zum "Forest Rest House" am suedlichen Teil des Regenwaldes, stiegen ein, fuhren los und kamen auch gut und schnell an... dort angekommen erkundigten wir uns nach einer Unterkunft, waehrend der Taxifahrer noch wartete - leider war nix mehr frei. Ploetzlich fiel uns auf - am Namen der dortigen Unterkunft - dass wir statt am suedlichen am Eingang des noerdlichen Teils abgesetzt wurden, und dort wollten wir nicht hin. Wir machten den zunaechst eher uneinsichtigen und veraergerten Taxifahrer darauf aufmerksam - schliesslich machten wir uns doch auf den Weg zum suedlichen Teil - wir diskutierten eifrig, versuchten dem Taxifahrer zu erklaeren, dass wir dachten, wir haetten uns verstaendlich ausgedrueckt und dass der Fehler doch bei ihm bzw. seinem Bruder (sein Bruder war anscheinend sein Taxi-Fahrer-Kompane) laege... er sagte, die Touristen wuerden sonst fast alle zum noerdlichen Teil fahren und der Weg zum suedlichen sei viel laenger. Naja, wir vereinbarten, ihm ein wenig mehr als den vereinbarten Preis zu geben - er sollte uns am naechsten Morgen auch wieder abholen und wir wollten nichts dem Zufall ueberlassen, gerade bei der kenianischen Unzuverlaessigkeit und weil die 4 Maedels um halb 8 ihren Bus Richtung Nairobi erreichen mussten.

Also, schlieeslich am suedlichen  Regenwald und am Forest Rest House angekommen mussten wir feststellen, dass es weder dort noch im benachbarten Resort Platz fuer uns gab...                        Mist! Naja, wir hatten einigermassen Glueck:  fuer ca. 4 Euro (statt 5 Euro in dem Rest House)  konnten wir es uns in einem kleinen Haeuschen, ca. 12-13qm Flaeche, "gemuetlich" machen, wir bekamen sogar Matratzen und Decken - naja, besser als gar nix!

Wir buchten fuer 5 Euro pro Person eine gefuehrte 2,5-stuendige Tour durch den Regenwald... recht interessant, ich hatte mir einen Regenwald aber noch unterschiedlicher zum deutschen Wald vorgestellt, noch "verregneter", feuchter' mehr Tiergeschrei - naja, zumindest niedliche, grosse, kleine, junge, ausgewachsene Affen, eine Kroete, Libellen und Schmetterlinge sahen wir aus naechster Naehe! Unsere Fuehrerin bot uns noch eine weitere Tour an: zum Sonnenuntergang auf einen Huegel mit tollem Ausblick - ca. 7km hin wandern, Sonnenuntergang bestaunen, 7km zureck wandern - ca. 4 Euro pro Person - da wir fuer den Abend nix Besonderes geplant hatten,  stimmten wir ein und machten uns auf den langen Weg... das Wandern und Huegel-Besteigen war ganz cool, der Sonneuntergang leider von einige Wolken bedeckt, einige schoene Fotos gibt's trotzdem - nach ca. dreieinhalb Stunden waren wir wieder zurueck und fielen recht geschafft in unsere Betten. Vorher hatte unser Taxifahrer uns noch angerufen und den Preis erhoeht - der Preis wuerde fuer den suedlichen Teil nicht reichen - wir sagten ihm zu, ein bisschen mehr zu bezahlen, wenn er denn puenktlich sein wuerde, denn das war sehr wichtig fuer die 4 Maedels, die ihre Bustickets fuer 7:30 Uhr bereits bezahlt hatten...

Und wie puenktlich der Taxifahrer war - 10 Minunten vor der vereinbarten Zeit war er bei uns! Los ging's - nach ca. 1km vermisste eine der Maedels ihre Jacke, die sie wohl in unserer Huette vergessen hatte - die Zeit wurde knapp, wir mussten umkehren, wofuer der Taxifahrer auch noch einen kleinen Auschlag verlangte - das und die vorherigen Ereignisse schraubten den Preis von den anfangs vereinbarten ca. 16 Euro auf 25 Euro... kurz bevor wir unsere Huette erreichten, fiel dem Maedel auf, dass sie ihre Jacke doch dabei hatte - als sie kurz zuvor geguckt hatte, schimmerte diese Jacke, die nun doch ihre war, dunkelrot statt braun, sie dachte, es waere nicht ihre gewesen - naja, wieder umkehren und schneeeell zum Bus! Achja, das selbe Maedel hatte gestern Mittag bereits ihre Essens-Tuete im Taxi vergessen, die sie nun heute Morgen vom Taxifahrer zurueck bekam...

Wir waren puentklich zurueck am Bus-Stop in Kakamega, wo der Bus eine Stunde Verspaetung hatte - also haetten wir noch fuenfmal umkehren und etwas vermeintlich Vergessenes abholen koennen...

Wir verabschiedeten uns, ich nahm ein Matatu zurueck nach Kisumu, die Maedels fuhren mit Bus nach Nairobi...

Tja, und jetzt werde ich gleich meinen freien Tag (Feiertag - wie auch in Deutschland?) geniessen...

Bald hab' ich die Haelfte meiner zweieinhalb Monate in Kenia hinter mir!

Gruesse

Tobias

1.6.09 09:14


Meine Jobs - Teil 2

Nun werde ich mit meinen "Lehrer-Job" in der "nursery school" beschreiben... Ich als Lehrer?? Ich unterrichte mit meinen 21 Jahren Kids, mit denen ich mich kaum verstaendigen kann, da diese kaum Englisch und ich quasi gar kein Kisuaheli, geschweige denn Luo (ca. 80 % der Leute sind Luo - Luo ist der drittgroesste von ueber 40 "Staemmen" oder Ethnien in Kenia) spreche, ich komplett ohne Lehrer-Ausbildung? Tja, das kann den Kindern doch eigentlich nichts bringen...

Aber: in eine normale Schule koennen die Kids aus finanziellen Gruenden halt nicht gehen... und da ist es fuer sie besser, zumindest ein bisschen von irgendwelchen Freiwilligen aus irgendwelchen Laendern der Erde zu lernen, als gar nix - und sie nehmen dabei ja auch in gewisser Weise an kulturellen Austauschen teil, wovon sie in gewisser Weise auch profitieren.

Die Schule: ein kleines Gebaeude am Rande Kisumus mit zwei dunkeln Klassenraeumen, nicht genuegend Sitzmoeglichkeiten fuer alle Kids, sodass manche auf dem Boden sitzen muessen, geschweige denn Tische... - Fotos unter  http://www.flickr.com/photos/8517666@N06/

Die Kinder: ca. 30 3-7-jaehrige und 7 7-11-jaehrige Kids, einige Waise, ca. 4-5 AIDS-Infizierte - wobei nicht alle Kids getestet sind (und die Tests, die die normalen/armen Leute sich leisten koennen, nicht besonders zuverlaessig sind), es koennte also gut sein, dass noch ein paar mehr AIDS-Kranke dabei sind...

Am ersten Montag, vor mittlerweile 2 Wochen, ging ich mit Johnsons Schwester Helen das erste Mal zur Schule - ich tippte Helen auf ca. 34 bis 37, fragte sie, ob sie aelter als Johnson sei - Johnson ist 32 - und sie antwortete leicht ueberrascht, dass sie juenger sei, naemilch 23... ahaha, so viel dazu, dass ich das Alter bei Dunkelhaeutigen nur sehr schwer schaetzen kann und der Wiedererkennungsgrad sehr gering bzw. die Verwechslungsgefahr sehr hoch sind - es passierte schon haeufiger, dass ich mich jemandem, von dem ich dachte, ich haette ihn oder sie noch nie vorher gesehen, vorstellen wollte - und der oder die entgegete, ob ich seinen/ihren Namen denn nicht mehr wuesste, mir haetten uns doch letztens erst kennen gelernt...

Also, so viel dazu - ich ging an dem Montag mit der 23-jaehrigen Helen zur Schule - zu Fuss ca. 30 Minuten, da die Strassen nicht befestigt oder geteert sind, eher Feld- und Lehmwege, und es letztens abends/nachts haeufiger regnete, kam es oft vor, dass die Strassen glitschig und matschig waren und Teile unter Wasser standen... einges Tages rutschte Helen aus, als sie einen kleinen Graben ueberspringen wollte - und fiel hin, hinten rueber, war ganz matschig und schmutzig... ohoh....

An dem Montag an der Schule angekommen, wurde mir gesagt, ich sollte doch die 7 aelteren Kids unterrichten - ich ging in den dunklen, duesteren, engen Klassenraum und war nun auf mich allein gestellt - die einzige Anweisung vorher: "unterrichte Englisch und Mathe, Kisuaheli.. nee, das kannste ja nicht."

Ich versuchte, die Namen der Kids zu erfahren... sehr schwierig, ich wusste nach dem 1. Tag 2 Namen, und auch sonst war die Kommunikation sehr schwierig... die ersten Tage waren schwierig und anstrengend, frustrierend, ich wusste nicht, was ich mit den Kids machen sollte, das, was ich verlegenerweise machte, lief nicht besonders gut...

in der 2. Woche wurde es dann deutlich besser - ich wusste, was ich mit den Kids machen konnte, wir konnten uns einigermassen verstaendigen, Luisa kam aus ihrer 4-woechigen Urlaubs- und Krankheits-Pause zurueck... und zu zweit unterrichten wir die Kids nun in Mathe und Englisch - Nivau: 1. Klasse... aber es macht Spass, wir haben das Gefuehl, dass es den Kindern gefaellt und sie was lernen - und die 2 x ca. 50 Minuten Unterricht und 60 Minuten Pause gehen schnell rum. In der Pause bekommen die Kids "Porridge" zu essen - ein Brei aus Zucker, Mehl und warmem Wasser, fuer manche die einzige warme Mahlzeit am Tag...

Eine kurze, kompakte, traurige Story mit Happy End einer meiner Schuelerinnen, Frida, ca. 8 Jahre jung. Ihr Vater starb, ihre Mutter wurde Prostituierte, um nicht zu verhungern - doch sie vernachlaessigte Frida total. Sie wurden aus ihrer Wohnung rausgeschmissen, Frida fing sogar an, Essen zu klauen - weil sie so hungrig war... schliesslich wurde fuer Frida und ihren kleinen Bruder Phillip, der auch in die "nursery school" geht, in die untere Klasse, ein neues Zuhause gefunden: die beiden sind heute Mittag in eine neue Wohnung gezogen, wohnen dort mit zwei anderen Kids und einer Frau, die ihren Mann verloren hat und nun einsam zu sein scheint, zusammen, bekommen taeglich was Warmes zu essen - die Wohnung hat einen "grossen" Raum und einen kleinen Vorraum, insgesamt ca. 18qm, die Kids werden in einem Bett zusammen schlafen, in dem Raum gibt es keine Lampe, (noch) keinen Strom, kein fliessendes Wasser - aber wenigstens werden die Kinder ein vernuenftiges Zuhause haben und bei ihrer Pflegemutter bestimmt liebevoll aufwachsen koennen. Das ganze kostet 30 Euro im Monat - 15 Euro Miete, 15 Euro fuer Nahrung... bezahlt wird es von Spenden aus Deutschen....

So viel erstmal zu meinem Job in der "nursery school"...

Im Waisenhaus spielen wir halt mit den Kindern - Brettspiele, Fussball, Musik machen mit Trommeln und eigenem Gesang, alles draussen natuerlich. Letztens war das Wetter nicht so gut und die Kids schauten sich Kinder-Musik-Videos an.. afrikanische Kinder-Musik. In einem Lied ging es um die Eltern - staendig wurde "I love Mummy, I love Daddy" gesungen - und das schauten sich ca. 40-50 Waisen an... krass, nicht wahr? Man, ich glaub, "wir", du und ich, und die meisten in Deutschland und Mittel- und Westeuropa koennen so froh und dankbar fuer unsere Kindheit sein...

Gruesse

Tobi

26.5.09 14:08


Was mache ich hier eigentlich?

Also, nun werde ich meine Jobs beschreiben, ich habe naemlich nicht nur einen, sondern 3 verschiedene!

Montags bis Freitags morgens arbeite ich in einer Art "Nursery School", einer Art Vor-  bzw. besser gesagt Ersatzschule fuer Kinder von 2-12 Jahren, deren Eltern, wenn sie diese ueberhaupt noch haben, sich es sich nicht leisten koennen, ihre Kinder in die Schule zu schicken - hier werden sie wenigstens ein bisschen unterrichtet - im Moment unter Anderem von mir ;-) - und sind morgens mit anderen Kindern zusammen - besser, als nur zuhause rumzuhocken, nicht wahr?

Montags, mittwochs und freitags nachmittags von 16 bis 18 Uhr besuche ich zusammen mit Luisa, der anderen deutschen Freiwilligen in Kisumu, die auch in der "Nursery School" unterrichtet, die Kinder eines Waisenhauses, wir spielen mit ihnen, singen, malen, ...

Sonntags Nachmittags fahre ich zusammen mit Johnson in eine "Juvenile" - uebersetzt: Jugendliche/r - eine Art Kinder-Auffangstation und auch -Gefaengnis. Dort werden Kinder von ca. 6-17 Jahren untergebracht, die entweder von zuhause weggelaufen sind - oft aufgrund der schlechten Lebensbedingungen, die sie dort nicht mehr ertragen koennen/wollen - oder nach kleinen, oder auch grossen Straftaten - unter den ca. 90 Kindern sind sogar 2 "Moerder"... naja, auf jeden Fall besuchen wir die Kids, machen ein Spiel mit ihnen, geben ihnen dann eine grosse Runde Kekse aus, die wir vorher in 'nem Supermarkt kaufen - und stellen den anderen Kids die Neu-Ankoemmlinge vor.

So war es auch am 10.5., meinem 2. Tag in Kisumu - erster "Arbeitseinsatz" ueberhaupt in Kenia - ab in den Kinderknast! Die Stimmung war dort sehr betruebt, viele traurige Kinder mit haengenden Koepfen, unser Raum stank ziemlich modrig und muffig... Johnson stellte mich den Kindern vor, ich stellte mich kurz selber vor, Johnson fragte die Kinder - er uebersetzte fuer mich bzw. die Kinder, da die meisten, zumindest der Juengeren, kein Englisch sprechen, und ich kaum Kiswahili - ob ich willkommen sei, die Kinder waren mit mir einverstanden... dann kamen 6-7 Kids nach vorne, die in der letzten Woche neu "eingeliefert" worden waren... und erzaehlten von ihrem Weg "von Zuhause in die Juvenile", oder besser: sie fluesterten Johnson total schuechtern und kleinlaut etwas in's Ohr, was er dann an die Menge weiterleitete... sooo krass und traurig.... man man!

Ein Beispiel: ein Junge, ca. 7 oder 8 Jahre alt, vielleicht 9, verschuechtert, mit haengendem Kopf, schmutzige, zerschlissene Klamotten, erzaehlt, sein Vater habe neben seiner Mutter noch eine weitere Frau gehabt, also zwei Frauen gleichzeitig. Seine Mutter starb, woraufhin die 2. Frau seines Vaters diesen draengte, nach Nairobi (ca. 400km von Kisumu) zu ziehen - auf dem Weg nach Nairobi wurde er von seiner "falschen Mutter" einfach ausgesetzt, alleine zurueckgelassen, vermutlich, weil sie an sein Erbe oder Aehnliches wollte oder ihn einfach nicht in "ihrer" Familie duldete... und irgendwie kam der arme kleine Junge zurueck nach Kisumu, wurde aufgegabelt, zur Polizei, vor Gericht - dort werden auch die Faelle von aufgegabelten Kindern behandelt - wo man nicht wusste, wohin mit ihm, also in die "Juvenile"... man muss sich mal vorstellen, wie sich der Junge gefuehlt hat, was er Schreckliches durchmachen musste... und nun haengt er in der "Juvenile" fest... - zusammen mit 90 anderen Kindern, die auch schon Schlimmes in ihrem jungem Alter durchmachen mussten...

 Am Montag ging es dann in die "Nursery School" - davon werde ich spaeter berichten, in einem neuen Eintrag!

Bis dann.

Gruesse

Tobi 

 

23.5.09 17:14


Von Nairobi nach Kisumu...

Sooo, ich bin zwar schon 'ne Woche in Kisumu - jetzt hole ich die Beschreibung des letzten Tages in Nairobi, der Fahrt von Nairobi nach Kisumu und der Situation in Kisumu nach...  Am Freitag, den 8.5., besuchte ich mit Janine ihre zukuenftige Arbettsstelle, die "Shepherd's Orphanage", in einem armen Viertel, nahezu Slum... das Waisenhaus: im Rechteck angeordnete Wellblechhuetten, wenn ueberhaupt Huetten, eher Unterstellmoeglichkeiten mit Waenden - und innen ein grosser sandiger Platz.  Wir kamen durch das Tor - und sofort liefen uns Kinder entgegen, ca. 3-7 Jahre alt, direkt in die Arme, umklammerten unsere Haende und Fuesse, bestaunten meine Armbanduhr, rissen mir fast meine Tuete (Plastiktuete mit Wasser, Portmonee, ...) aus der Hand, um zu sehen, was drin war... total zutraulich, die Kleinen. Wir gingen ueber den Platz, an jeder Hand von 2-3 Kindern umklammert, und wurden herzlich vom Waisenhaus-Chef begruesst. Die Kinder liefen teilweise barfuss, hatten zerschlissene Klamotten, waren ziemlich zugestaubt und schmutzig... die "Raeumlichkeiten" waren duester, heruntergekommen, spaerlich bemoebelt... insgesamt ein krasses, aermliches Bild... doch die Froehlichkeit und Aufgeschlossenheit der Kinder ueberdeckte jegliche Aengste oder Zweifel, dass man sich hier wohl fuehlen koennte... wir spielten mit den Kindern, reichten ihnen ihr Mittagessen (Reis mit Bohnen, wovon es an dem Tag GOtt sei Dank genug gab, sodass alle satt wurden - das scheint wohl nicht immer der Fall zu sein..) und gingen nach 2 Stunden wieder.. dort arbeitet Janine nun, bis Anfang August.   Abends tranken wir zusammen mit 3 anderen deutschen Freiwillgen das eine oder andere Bier in Buru Burus Kneipen...

Am naechsten Morgen ging's frueh los, mit einem Ueberlandbus von Nairobi nach Kisumu - fuer die ca. 400km waren 7-8 Stunden Fahrtzeit angegeben... die Fahrt an sich war angenehm, der Bus hatte fast europaeischen Standard - naja, eher den Standard von vor 20 Jahren, aber das war auch voll ok. Es war schoen, aus Nairobi rauszukommen, die kenianische Landschaft zu bewundern - Berge, Waelder - und die Doerfer mit den vielen kleinen Verkaufsstaenden am Strassenrand schossen nur so an uns vorbei... die Strassenverhaeltnisse waren grundlegend recht gut, nur ab und zu musste wir die Hauptstrasse verlassen, um z.B. einer Baustelle auszuweichen - wir fuhren einfach parallel zur Hauptstrasse auf einer Art Feldweg?Schotterweg weiter - mit einem grossen Reisebus - und das mit einem Affenzahn...

Nchmittags gegen 16 Uhr, nach knapp 7 Stunden Fahrtzeit kam ich in Kisumu an - Kisumu ist die 3. groesste Stadt Kenias mit ca. 300.000 Einwohnern und liegt direkt am Lake Viktoria, dem groessten Binnensee Afrikas, wenn ich mich nicht falsch liege...


Vor meiner Abreise hatte ich eine E-Mail an das CIVS mit der Frage gerichtet, wie viele Kinder meine Gastfamilie haette - nach deren Antwort erwartete ich eine Gastfamilie mit Vater, Mutter und 4 Kindern im Alter von 10-15 Jahren...

 


In Kisumu angekommen wurde ich von Johnson, dem CIVS-Mitarbeiter, der fuer Kisumu zustaendig ist, am Busbahnhof angeholt - wir fuhren zusammen zu einem Haus, wo meiner Erwartung nach meine Gastfamilie wohnte... doch es wuerde keine richtige Gastfamilie geben.. wie sich nach und nach rausstellte, wohnte Johnson in der Wohnung, zusammen mit Kindern - nicht seinen eigenen, sondern ehemaligen Strassenkindern. Okay, also einiges anders als erwartet...

 

Johnson arbeitet halt fuer das CIVS und engagiert sich fuer Strassenkinder und andere benachteiligte Kinder... die 4 Strassenkinder hatte er bei sich aufgenommen und hatte sie somit von der Strasse runtergeholt, sie gingen zur Schule, leben nun bei ihm ein recht normales Leben - und sind 10-15 Jahre alt - siehe oben.. ;-)
Das alles war irgendwie erstmal ein Schock, auch die WOhnung war auf den ersten Blick "schaebig", ich wuerde kein eigenes Zimmer haben, sondern zusammen mit Johnson in einem klitzekleinen Zimmer schlafen, welches mit einem Bett, einer auf dem Boden liegenden Matratze und vielen Klamotten, Buechern drumherum vollgestopft war - nicht viel Platz fuer mich. Auch die Kueche war anfangs seeeehr gewoehnungsbeduerftig.. siehe Foto: http://www.flickr.com/photos/8517666@N06/
Mittlerweile habe ich mich hier sehr gut eingelebt und bin in der "Gastfamilie" sehr zufrieden - die ehemaligen Strassenkinder - Rollings, Dixon, Felix und Raphael - sind sehr nett und cool drauf, mit ihnen kann man gut klar kommen. Darueber hinaus besuchen uns Johnsons Verwandte oft, einige seiner 7 Geschwister - eine Schwester ist quasi jeden Abend da und kocht fuer uns, zum Essen sind dann meist so 7-10 Leute da - in der klitzekleinen Wohnung, aber es geht. Ich werde von den Kids sehr respektvoll behandelt - sobald ich in's Wohnzimmer komme, steht jemand der Kids auf, um mir Platz auf einem Sessel zu machen - ich denke, die sind sehr dankbar und froh, von der Strasse weg zu sein - darueber hinaus ist das in Kenia halt noch so, von wegen grossem Respekt gegen Aelteren - auch die Frauen sind hier noch nicht 100%-ig gleichgestellt, was man manchmal doch noch mitkriegt...

 

Also, in der Family geht's mir gut, ich hab' mich eingewoehnt, die Leute sind super - im naechsten Teil geht's um meine Arbeit...

Bis dahin - und danke fuer eure Aufmerksamkeit ;-)
Tobi
18.5.09 18:27


Wasser, Essen, Elektrizitaet - und Duschen... "neu"

Okay, jetzt wird's "anders", denn ich werde beschreiben, wie es hier so mit Leitungswasser, Essen, Strom/Licht und in der Dusche zu geht...

Also, Strom gibt's hier, zumindest grundlegend - in meinem Zimmer in Nairobi gab's eine Lampe, leider ohne Gluehbirne... hier in Kenia wird's aufgrund der Aequator-Lage ganzjaehrig frueh dunkel, naemlich um 19 Uhr... - drum stellte ich mir abends, wenn ich vor'm Schlafen gehen noch 'ne Runde lesen wollte - oder allgemein in meinem Zimmer nicht im Dunkeln tasten wollte - eine Kerze auf... wie vor eingen Jahrzehnten, wenn man auf einem Bauernhof nachts auf's Klo musste und sich eine Kerze anzuendete, um den Weg zu finden - so macht Oma Birgte es immer noch, koennte ich mir gut vorstellen!

Strom gab's auch nicht immer - eines abends verliessen Janine und ich, es war gerade dunkel geworden, einen Supermarkt (kleine Anekdote: ein Kenianischer Schilling entspricht ca. einem Cent - da die 1-Schilling-Muenzen hier sehr knapp sind, gab's in diesem Supermarkt als Wechselgeld, z.B. fuer 12 Schilling, 10 Schilling und zwei Bonbons, also ein Bonbon statt eines Schillings), der sich in einem riesigen Geschaeftsgebaeude befindete - und ploetzlich war alles dunkel, in dem gesamten Gebaeude war der Strom weg... gespentisch!!! Wir tasteten uns raus, gingen zur Gastfamilie zurueck - dort gab es Strom und Licht, die Birnen flackerten jedoch gewaltig, als wir im WOhnzimmer zusammen sassen - und ploetzlich war es auch dort duster - die Kiddies hatten Schiss, der juengere Sohn kuschelte sich neben mich und legte meinen Arm um sich... eine Viertelstunde spaeter war's wieder hell... In Kisumu gab's in den letzten Tagen auch schon den einen oder anderen Stromausfall... ganz Kisumu war anscheinend betroffen - daher wurde das Problem ganz schnell angegangen und geloest!

In meiner Gastfamilie war ich von Sonntag bis Freitag Morgen untergebrach - Montag Morgen hab' ich das letzte Mal fliessendes Wasser (im Badezimmer, Toilettenspuelung, ...) gesehen - ansonsten gab's zwischendurch mal unten fliessendes Wasser oder im Garten gesammeltes Regenwasser... von montags bis mittwochs ist in Buru Buru das Leitungswasser abgestellt - die Leute muessen auf gesammeltes Wasser zurueckgreifen - warum gab's bei uns Donnerstag immer noch kein Wasser? In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war wohl ein Wasserhahn unten aufgedreht, sodass es eine grosse Ueberschwemmung gab, als das Wasser wieder kam... die Kueche, das Wohnzimmer waren komplett unter Wasser... und, wie gesagt, fliessendes Wasser gab's auch Samstag noch nicht wieder...

Zum Duschen: es gibt kein warmes Wasser, kein aus einem Duschkopf fliessendes Wasser - wie duscht man dann in Kenia? Man nimmt sich einen grossen Wasserbottich, fuellt ihn mit Wasser, so ca. 20l - stellt sich, in meiner Nairobi-Gastfamilie, in die immerhin vorhandene Badewanne, in meiner Kisumu-Gastfamilie in die duestere, schimmelige Dusch-Kammer, und schoepft sich mit seinen eigenen Haenden das Wasser auf den Koerper, ueber den Kopf, wo auch immer man es hin haben moechte. Man seift sich ein - und bespritzt sich selber, um sich vom Schaum zu befreien. Man bueckt also staendig ueber dem Wasserbottich, wobei man natuerlich aufpassen muss, dass das benutzte Wasser nicht wieder zurueck in den Bottich fliesst - und in unserer Dusch-Kammer in Nairobi ist's dunkel und eng... aber man gewoehnt sich dran, nach ein paar Mal ueben ging's fast so schnell wie das "normale Duschen in einer schoenen deutschen Dusche", und sauber wird man auch...

Zum Essen: das Motto lautet: "Hauptsache man wird guenstig satt" - das heisst: einfache Speisen aus guenstigen Zutaten. Ein Beispiel: "Ugali mit Sukuma Wiki und Zwiebel-Tomaten-Ei-Gemisch" - in meiner Gastfamilie hier in Kisumu werden, abgesehen von Mehl und Reis und Margarine, keine Lebensmittel gelagert - es gibt in der Kueche keinen Schrank, geschweige denn einen Kuehlschrank. Ugali ist in heissem Wasser eingeruehrtes Mehl, Sakuma Wiki ist ein leicht bitter schmeckendes, Spinat-artiges Gemuese, und Tomaten und Zwiebeln werden abends frisch in Strassenstaenden gekauft. Dieses Gericht gibt es seeehr oft, quasi taeglich. Das ganze isst man mit den Haenden. Und langsam, laaangsam, haengt es mir zum Halse raus ;-) ab und zu gibt's Rindfleisch dazu - was ich aber nicht esse, weil es seeehr zaeh ist, und die Knochen, der Speck und die Sehnen nicht entfernt werden, sondern anscheinend gerne und selbstverstaendlich mitgegessen werden - die Knochen natuerlich nicht - glaube ich zumindest.

Ansonsten gibt's haeufiger Reis - natuerlich auch mit Tomaten-Zwiebel-Sosse, und auch mal Nudeln oder "Chapati", eine Art Mehlpfannkuchen. Alles ausser "Ugali mit ... und Rindfleisch" ist mir hier seeehr willkommen ;-)  - und ich freue mich schon auf's leckere, ueppige deutsche Essen - entweder von Mama zubereitet, oder aus einer gewissen Pizzeria in Riesenbeck ;-)

so viel erstmal zum Essen, Strom, Wasser und Duschen - also grossen Bestandteilen der kenianischen Kultur.

Gruesse

Tobias

14.5.09 18:02


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